Beiträge vom Februar, 2011

Interview mit Gründerszene

Samstag, 26. Februar 2011 18:10

So… ich mach jetzt mal den Guttenberg und poste das Interview welches Joel von der Gründerszene mit mir geführt hat. Ist das eigentlich erlaubt? Falls nicht – bitte gleich informieren. Ansonsten werden ich gleich tausende von Fußnoten setzen  ;-)

Olaf Jacobi, Target Partners, Venture-Capital, VC

Stell Dich doch mal kurz vor: Wer bist Du und wie bist Du als Investor unterwegs?

Ich heiße Olaf Jacobi, bin 43 Jahre alt und seit 1999 in der StartUp-Szene als Unternehmer, Gründer, Business-Angel und Venture-Capital-Investor aktiv. Als Partner bei Target Partners (www.targetpartners.de) investiere ich in junge Technologie-Unternehmen. Details über mich lest ihr auch auf Xing, LinkedIn und Facebook.

Gib uns doch mal ein paar Eckdaten zu euch: Größe, Größe des Fonds, Schwerpunkt, Stage, Investments…

Target Partners finanziert junge Technologie-Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Wir investieren meistens in der A-Runde oder sogar in der Seed-Phase. Anschließend investieren wir in Folgerunden – entweder alleine oder zusammen mit weiteren Investoren.

Insgesamt haben wir 225 Millionen Euro „under management“. Unser aktueller Fonds hat eine Größe von 113 Millionen Euro. Im Durchschnitt investieren wir in der ersten Runde zwischen eins und drei Millionen und insgesamt in allen Finanzierungsrunden bis zu zirka sechs bis acht Millionen Euro.

Wir schauen uns alles an, was nicht tropft – also kein Life-Science, Biotech oder Pharma. Für uns ist es extrem wichtig, dass das Unternehmen das Potential hat, richtig groß zu werden.

Wie viel investiert ihr und wie viele Anteile müssen Gründer dafür an euch abtreten? „Das ist eine individuelle Sache“ zählt als Antwort übrigens nicht :-) .

Wie viel wir investieren hängt vom Kapitalbedarf des StartUps ab. Es gibt Unternehmen, in die wir mehr als zehn Millionen investiert haben, in andere haben wir insgesamt über mehrere Finanzierungsrunden nur fünf Millionen Euro investiert.

Also abtreten muss ein Gründer gar nichts. Als Venture-Capitalist investieren wir in ein Unternehmen und erhalten durch eine Kapitalerhöhung neue Unternehmensanteile. Dabei sind die Unternehmensbewertung und der Kapitalbedarf entscheidend für die Verwässerung der Gründer. Es kommt in der Regel auf die Phase des Unternehmens an. Ist es ein StartUp in der Seed-Phase, wird die Bewertung, zu der wir investieren, niedriger sein, als bei einem StartUp, welches bereits erste Umsätze macht.

Ein Unternehmer sollte einerseits versuchen, seine Anteile zusammen zu halten und sich nicht zu stark verwässern zu lassen – andererseits sollte der Unternehmer sein Unternehmen mit dem nötigen Kapital ausstatten, um am Markt wettbewerbsfähig zu sein.

Bist du selbst an den Investments Deines Fonds beteiligt? Zum Beispiel direkt oder über carry.

Von einem Partner einer Venture-Capital-Gesellschaft erwarten die Investoren, dass er selber in seinen Fonds investiert. Das ist relativ normal und ist bei den meisten Venture-Capital-Fonds der Fall. Wenn wir in ein StartUp investieren, dann ist also auch immer ein Teil der Investitionssumme aus unserer eigenen Tasche. Des weiteren partizipieren wir am Carry.

Was begeistert Dich am Job als VC?

Es ist spannend, jeden Tag neue Ideen zu sehen, neue Unternehmerpersönlichkeiten zu treffen und Märkte aus verschiedenen Perspektiven zu evaluieren. Faszinierend ist es, gemeinsam mit den Gründerteams deren Geschäftsideen zu diskutieren, zu modellieren und wenn man investiert hat, zu erleben, wie Dinge umgesetzt werden. Wenn ich dabei meine eigenen unternehmerischen Erfahrungen einbringen kann und dadurch die Teams unterstütze, dann freut es mich umso mehr.

Berichte mal von Deiner schlimmsten und Deiner besten unternehmerischen Erfahrung.

Die schlimmste unternehmerische Erfahrung bzw. die Erfahrung, an die ich mich sofort zurück erinnere, hat mich eines gelehrt: „Never ever believe in your own PR!“

Ich hatte ein StartUp gegründet, mit meinen Co-Founders einen Business-Case entworfen, diesen mit potentiellen Kunden und Partnern abgestimmt, dann einen Businessplan geschrieben und bin anschließend auf Investorensuche gegangen. Die Investoren haben wiederum den Markt, die Kunden und die Partner befragt und den Case auf Herz und Nieren geprüft. Mehrere namhafte Venture-Capitalisten haben dann investiert. Als wir das Unternehmen und unsere Produkte der Presse und der Öffentlichkeit vorstellten, gab es nur positive Clippings. Wir wurden schon als die direkten Wettbewerber von Microsoft gekürt. Long story short: stark wachsende Umsätze blieben aus. Darum – Never believe in your own PR!

Meine beste unternehmerische Erfahrung erspare ich uns. Vielleicht ist es auch die Gewissheit, dass alles möglich ist und es meistens nie so schlimm kommt, wie es zuerst scheint.

Was ist wichtiger: Das Team oder die Idee?

Warum wusste ich, dass diese Frage kommt? Weil diese Frage immer gestellt wird – egal ob ich auf einer Konferenz gefragt werde oder einen Fragebogen erhalte.

Nun, diese Frage und die Antwort dazu sind einfach fern der Realität und eher philosophischer Natur: Wenn ein richtig gutes Team eine schlechte Idee hat, dann ist es kein richtig gutes Team. Sollte ein eher mäßiges Team eine sehr gute Idee haben, dann ist die Idee es wert, dass sich das Team verstärkt und verbessert.

Gibt es das ideale Gründerteam?

Gründerteams sind so vielfältig wie es Geschäftsideen sind. Für den einen Business-Case ist unter Umständen ein sehr erfahrenes Team essentiell. Für einen anderen Case braucht das Team vielleicht keine Branchenerfahrungen und –kontakte.

Es gibt ein paar Eigenschaften, die ein guter Unternehmer meiner Meinung nach haben sollte. Er/sie sollte gewinnen und die eigenen Ideen in die Realität umsetzen wollen. Es ist wichtig, dass man als Unternehmer und Gründer seinen Weg verfolgt und sich nicht zu schnell von diesem abbringen lässt – jedoch ist es auch wichtig, dass man als Gründer zuhören kann und nicht beratungsresistent ist.

Was muss ein Gründer machen, um bei euch eine Finanzierung zu bekommen? Welches sind die bedeutendsten Kriterien bei StartUps für Dich?

Die wichtigsten Kriterien nach denen wir ein StartUp bzw. einen Business-Case bewerten sind das adressierte Marktpotenzial, wie verteidigbar die Technologie bzw. das Geschäftsmodell ist und wie groß ein Unternehmen werden kann.

Was ist wichtiger – Profitabilität oder Wachstum?

Jedes zu seiner Zeit. Wachstum ist natürlich in den ersten Jahren eines StartUps das A und O. Der Weg zur Profitabilität muss aber irgendwann klar zu erkennen sein. Das heißt nicht, dass ein Unternehmen nicht mehr wachsen muss, wenn es profitabel ist.

Welches sind die Top 3 Kardinalsfehler von StartUps in Deutschland?

  1. Zu geringes Marktpotential: Ein Hauptgrund, weshalb StartUps nicht erfolgreich sind, ist ein zu gering adressiertes Marktpotenzial. Das Marktpotenzial zu bestimmen ist eine der wichtigsten Aufgaben bei der Erstellung des Geschäftsmodells. Dabei sollte ein StartUp einen detaillierten Ansatz wählen (Bottom-up).
  2. Fehler oder falsche Annahmen beim Geschäftsmodell: Gründer sind häufig zu optimistisch hinsichtlich der Kundengewinnung. Ich habe selbst den Fehler begangen und habe es als Investor hundertfach gesehen. Hierbei sollte man als Unternehmer sehr vorsichtig sein und den eigenen Businessplan (P&L und Cashflow) auf Basis einer konservativen Planung erstellen. Eine wichtige Erkenntnis: Es dauert immer länger als man anfangs gedacht hat.
  3. Nicht genügend Cash: Ein weiterer Fehler, der das StartUp “killen” kann ist eine falsche Cash-Planung und eine zu optimistische Annahme, wie einfach es ist, zusätzliches Cash ins Unternehmen zu bekommen. Cash ist king – und Cash ist Chefsache!
  4. Sales, Sales, Sales,…: Leider ist es ein Muster, dass deutsche Technologie-StartUps oft hervorragende Entwickler im Team haben, aber leider auch oft zu schwach besetzt sind, wenn es um die Vermarktung geht. Ich habe es einige Male gesehen, dass deutsche StartUps ihre Produkte und/oder Services zu perfekt entwickeln wollten, bevor sie mit der Vermarktung starteten.

USA vs. EU – hinken wir Amerika in Sachen VC und Entrepreneurship hinterher?

Allein historisch bedingt steckt in der amerikanischen Mentalität einfach der Pioniergeist, der sich im Gründertum niederschlägt. Auch die Fakten auf Kapitalseite sprechen dafür: In den USA beträgt das Venture-Capital-Kapital 100 US-Dollar pro Einwohner, in Europa hingegen nur zehn US-Dollar. Langsam aber sicher kann man in Europa beobachten, wie sich die Einstellung zum Unternehmer-Dasein verbessert. Das sind gute Signale und wir arbeiten weiter daran.

Welche Themen sind für Dich derzeit hot?

  • Generell der Bereich „Web of Data“
  • Vertikale Software-As-A-Service-Anwendungen (SaaS), die alte Software ablösen können
  • Internationale Social-Gaming-Cases
  • Das Thema Green-Tech im weiteren Sinne
  • Technologie und Geschäftsmodelle im Mobile-Bereich

Wie stehst du zu Copycats?

Jetzt soll ich mich wohl für oder gegen Copycats äußern. Wer mich kennt und wer oben gelesen hat, in was wir investieren bzw. welches unsere wichtigsten Bewertungskriterien hinsichtlich eines Investments sind, der kommt von allein auf die Antwort.

Wahrscheinlich muss man sich als Investor voll und ganz auf diesen „Produktionsprozess“ – das Kopieren von Geschäftsmodellen und das schnelle Exekutieren – fokussieren, um erfolgreich zu sein und um die Gründerteams von Copycats unterstützen zu können. Unser Ding ist es nicht unbedingt. Ich möchte Copycats nicht per se schlecht machen. Vieles wird kopiert, adaptiert, angepasst, verbessert und abgewandelt – nicht nur im Internet.

Außerdem ist es ja manchmal auch ganz amüsant, die Aufregung zwischen den verschiedenen Inkubatoren und Copycat-Investoren von der Seitenlinie zu beobachten. Wir sollten das Thema nicht überbewerten bzw. überstrapazieren. Es gibt weitaus mehr StartUps in Deutschland, die innovativ sind und etwas Neues entwickeln, als StartUps, die einfach per Copy-and- Paste Geschäftsmodelle kopieren.

Auf welchen StartUp-Events kann man euch treffen und welche Blogs/Zeitungen kannst du empfehlen?

Auf folgenden Events war ich oder plane ich teilzunehmen:

Folgende Blogs lese ich regelmäßig:

Thema: Entrepeneurs, Investments, Startups, Venture Capital | Kommentare (0) | Autor: Olaf

Fazit zum Munich Venture Summit 2011

Sonntag, 13. Februar 2011 12:21

Gestern (Samstag, 12.2.2011) veranstaltete die Munich Business School den Munich Venture Summit. Ein Kongress zum Networking, Erfahrungsaustausch, und Pitchen für und mit jungen Unternehmern, Gründern und zukünftigen Unternehmern.

Es waren über 250 Teilnehmer dort und ein kurzer Check während meines Vortrags ergab, dass fast alle Gründer, Unternehmer oder potentielle Gründer waren. Nur ein einziger Berater hatte sich verirrt.

Da ich in den letzten Jahren sehr häufig auf vergleichbaren Veranstaltungen war, fällt mir ein Vergleich nicht allzu schwer. Sehr wichtig bei einem solchen „Gründer-Event“ ist meiner Meinung nach die Grundstimmung. Beim diesjährigen Munich Venture Summit war diese Stimmung sehr gut. Ich würde sie als inspirierend bezeichnen. Die Teilnehmer haben sich intensiv ausgetauscht, es wurde gefachsimpelt, genetworked, Business Cases verglichen und auch viel gelacht.

Neben den Keynotes und Panels gab es eine Speed-Dating-Session in der 10 Startups die Chance hatten, ihren Case an 10 „vermeintliche“ Investoren zu pitchen.

Zwei Highlights (in jeglicher Hinsicht):

Christof Wittig hat in seinem Vortrag über das Silicon Valley hervorragend dargestellt, wo die Unterschiede zu Technologie-Clustern in Deutschland sind. Es geht um das Eco-System im Silicon Valley, bestehend aus Unis, Gründern, Busines Angels, VCs, Events, Networking und der Innovationskraft. Ein hervorragender Vortrag! I was energized :-)

Ein quasi-motivierender Vortrag von Erich Lejeune über Motivation: Ich fasse wertend zusammen was ich als Zuhörer aus dem Vortrag gelernt habe: Herr Lejeune ist der Erfinder des deutschen ecommerce, er kennt Steve Jobs, er hat Herrn Siemens mal einen Brief geschrieben in dem stand, dass er ihn kennen lernen möchte und er hat einen Verkäufer (der Ärmste) im Münchner Apple-Store so lange gegängelt bis der Verkäufer das defekte iPhone umgetauscht hat. Wow – ich bin jetzt wirklich extrem motiviert :-(

Ach, ich vergaß – die Schirmherrschaft hatte unser aller Wirtschaftsminister Rainer Brüderle.  Ist Herr Brüderle wirklich der Schirmherr, den man als junger Gründer haben möchte? Das ist keine persönliche Wertung von Herr Brüderle aber ich frage mich: Was kann ein Politiker (völlig unabhängig in welcher Partei dieser Politiker ist) denn für junge Gründer tun? Ist ein Politiker ein positiver Image-Träger für junge Gründer? Weder Herr Brüderle noch irgendwer aus dem Bundeswirtschaftsministerium hat sich am Samstag in München auf dem MVS sehen lassen.



Thema: Entrepeneurs, Fun, Investments, Startups, Venture Capital | Kommentare (3) | Autor: Olaf

War die Krise vielleicht sogar die beste Zeit zum Gründen?

Montag, 7. Februar 2011 8:53

Viele Gründerteams reagierten in Zeiten der Finanzkrise (September 2008 bis Anfang 2010) zurückhaltend und verschoben den Markteintritt ihres Startups. Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung und längere Sales-Cycles schreckten Jungunternehmer ab. Doch brachte die Finanzkrise wirklich nur Nachteile mit sich oder konnten Startups sogar Vorteile für ihr neues Unternehmen nutzen?

Mit etwas Abstand betrachtet gab es während der Finanzkrise auch Vorteile und Chancen Start-ups.

Freie Ressourcen

Speziell während der Krise und dem heftigen wirtschaftlichen Abschwung waren Mitarbeiter verfügbar und meist auch günstiger als noch vor den Krisenjahren. Das Team ist oft loyaler gegenüber dem Arbeitgeber, wenn es darum geht, zusammen und gestärkt aus einer Krise hervorzugehen. Auch Büroräume und die dazugehörige Ausstattung gab es günstiger. Selten war eine Expansion derart kostenschonend wie zwischen Ende 2008 und Anfang 2010.

Weniger Mitbewerber auf dem Kapitalmarkt

Speziell die langwierige Kapitalbeschaffung hat viele Gründer zweifeln lassen. Doch auch hier gab es Chancen: Da weniger Startups um die Kapitalgeber konkurrierten, konnten auch in Krisenzeiten interessante Geschäftsideen finanziert werden. Daher sollten sich Jungunternehmer auf der einen Seite auf längere Wartezeiten einstellen. Auf der anderen Seite konnte man mit einer zukunftsfähigen Geschäftsidee und einem sauber ausgearbeiteten Business Plan auch in Zeiten der Krise einen Venture Capital-Investor überzeugen. Jetzt nachdem das Gröbste überstanden ist, erhöhen sich die Anzahl der eingehenden Businesspläne von Monat zu Monat. Die Nachfrage nach Kapital steigt rapide.

An die Zeit nach der Krise denken

Nach jeder Krise folgt eine Zeit des Aufschwungs. Diesen Umstand sollten Startups im Hinterkopf behalten und das Unternehmen dementsprechend ausrichten. Gründer, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gestartet sind, haben klare Vorteile: Große Unternehmen suchen im Aufschwung (also jetzt) nach neuen Ideen, spannenden Konzepten und attraktiven Perspektiven. Wer heute ein funktionierendes Geschäftsmodell mit innovativen Produkten oder Dienstleistungen vorweisen kann, ist im Vorteil und kann sein Unternehmen vielleicht zu guten Preisen an einen der Großen verkaufen oder ist in einer solch guten Position, dass er sein Unternehmen weiter wachsen lassen kann, da mögliche Wettbewerber weit hinter ihm sind. Hier können allerdings nur die Jungunternehmen punkten, die ihre erste Seed-Phase schon hinter sich haben und die ihre Produkte erfolgreich auf dem Markt positioniert haben.

Kurz: Auch eine Krise kann Vorteile und Chancen für Start-ups bieten. Es gilt, diese sinnvoll zu nutzen.

Thema: Entrepeneurs, Investments, Startups, Venture Capital | Kommentare (0) | Autor: Olaf