Beiträge vom März, 2011

Social Networking – Weniger ist mehr

Sonntag, 20. März 2011 21:09

Social Networks wie Facebook, Twitter, LinkedIN und Xing sind für mich Normalität geworden. Sie gehören zum täglichen Arbeiten, Informieren und Kommunizieren – so wie ein Adressbuch, wie meine Email-Accounts oder wie mein Handy.

Meine Geschäftskontakte pflege ich auf LinkedIN und (leider) immer noch auf Xing. Meine privaten Kontakte gehören auf Facebook.

Natürlich haben die Social Networks einiges im privaten und geschäftlichen Alltag verändert. Für mich überwiegen die positiven Effekte.

Die Business Networks machen meiner Meinung nach wirklich viel Sinn und die Premium Fee für Xing hat sich doppelt und dreifach gerechnet, da ich durch Xing z.B. viele Mitarbeiter gefunden habe und somit tausende Euros an Headhunter-Rechnungen gespart habe.

Per Twitter teile ich mit, was mich interessiert, was ich als interessant ansehe und was u.U. die Menschen, die mich auf Twitter „verfolgen“ auch interessieren könnte. Über die App Selective Tweets poste ich die ein oder andere Twitter-Nachricht gleichzeitig auch auf Facebook.

Das hört sich doch alles sehr einfach an. Wo ist da ein Problem?  - Geduld … dazu komme ich gleich!

Wie und wann ging das mit den Social Networks eigentlich los?

Wenn ich mich recht erinnere, dann wurde ich irgendwann von jemanden zum OpenBC (Open Business Club) eingeladen. Für diejenigen, die sich nicht erinnern – der OpenBC heißt jetzt Xing. Xing war mein erstes Social Network. Jetzt musste ich doch gleich mal in meinem Xing-Profil nachschauen. Da steht – Member since 2003. Wow, das sind 8 Jahre. Zu LinkedIN müsste ich ca. ein Jahr später gestoßen sein. Ein Geschäftspartner aus den USA hatte mich eingeladen.

Die deutschen Social Networks wie z.B. StudiVZ, Lokalisten, WKW, etc. sind mehr oder weniger an mir vorbeigegangen. Dann kam Facebook. Erst waren nur wenige meiner Bekannten (lets face it – nur wenige sind wirkliche Freunde) bei Facebook. In den letzten drei Jahren hat sich das geändert. Heute gibt es nur wenige, die kein Profil auf Facebook haben.

Das Problem

Irgendwann habe ich angefangen über das Warum und das Für und Wider meiner Aktivitäten auf den Social Networks (Facebook, Xing, LinkedIN und Twitter) nachzudenken. Ich kann mich nicht mehr erinnern aber ich glaube, dass ich mit einem Geschäftspartner darüber diskutiert habe und er mit darstellte, warum er „nicht auf Facebook ist“. Was sagen eigentlich die Philosophen zu dem Satz „auf Facebook sein“. Ist (im Sinne von jemand sein) man nur noch, wenn man auf Facebook ist? Ist das heutige Sein eines Menschen dadurch gefärbt und beeinflusst, ob und wie man auf Facebook ist? Da ich kein Philosoph bin, sollten diese Frage andere diskutieren.

Beispiel:

Was passiert wenn ich auf einer geschäftlichen Veranstaltung teilnehme?

Ich lerne neue Menschen kennen. Man tauscht Visitenkarten aus. Später gibt man die Adresse in die Kontaktdatenbank ein. Interessante Kontakte verbindet man auf Xing und LinkedIN. Entweder sende ich die Kontaktanfrage raus oder ich erhalte eine.

So, und hier kommt das Problem – einige Leute fügen mich doch tatsächlich als „Freund“ auf Facebook hinzu. Naja, ich lehne die meisten Kontaktanfragen ab. Aber irgendwie haben die geschäftlichen Kontakt in meiner „Freundes-Liste“ auf Facebook einen immer größeren Teil eingenommen.

Ich bekam mehr und mehr Probleme und Hemmungen, private Botschaften auf Facebook zu posten, da die Anzahl rein geschäftlicher Kontakte auf Facebook anstieg. Es gab Menschen auf meiner Freundes-Liste, die ich genau einmal geschäftlich getroffen hatte. Ich bekomme Freundschafts-Anfrage von Menschen, die ich noch nie zuvor getroffen habe. Warum? Und warum fühlte ich mich sogar manchmal gezwungen mit Ja zu bestätigen?

Anfangs hatte ich mir vorgenommen Facebook für rein private Kontakte zu nutzen. Die Grenzen verschwammen jedoch schnell. Es gibt Menschen, mit denen ich privat als auch geschäftlich eng verbunden bin. Diese Kontakte pflege ich sehr gern auf Facebook. Vielleicht war genau das der Grund, weshalb auch andere,  rein geschäftliche Kontakte mehr und mehr auf meiner Facebook-Freundesliste erschienen. Es war zwar meine Entscheidung, die Freundschaftsanfrage anzunehmen oder es bleiben zu lassen – ein gewisser Zwang ergibt sich aber schon, wenn man sieht, wer mit wem verbunden (befreundet) ist. Anyway – die Netzwerkeffekte sind offensichtlich.

Weniger ist mehr

Mehr und mehr überkam mich das Gefühl, dass es nicht richtig ist. Dann habe ich mit einer Expertin zum Thema Social Networking gesprochen und über meine Probleme und Gedanken berichtet. Ihre Antwort war bestechend einfach. Sie sagte mir: „Reduzier doch einfach deine Facebook-Kontakte auf maximal 200“.

Ich fragte: „Wie jetzt – einfach so?“ Sie erwiderte: „Ja, habe ich auch gemacht. Es ist echt befreiend – so als ob Du Deinen Kleiderschrank oder Deinen Keller entrümpelst“

Ich schaute auf die Anzahl meiner Facebook-Kontakte. Dort standen ca. 500.

500!?

Wie viele Menschen, die ich vorher schon mal getroffen habe, treffe ich innerhalb von einem Jahr nochmals? Mit wie vielen Menschen möchte ich privat in Kontakt bleiben? Wie viele Menschen kann ich überhaupt „verfolgen“? Mit wie vielen Menschen möchte ich mich über private Dinge austauschen? Wie viele Menschen sollen meine Fotos sehen? Wie viele Menschen mag es interessieren, wo in bin, wohin ich in den Urlaub fahre, in welches Fitness-Center ich gehen, wann ich wo Beachvolleyball spiele, …

500 Menschen? Nein, das kann nicht sein?

Ich machte mir darüber Gedanken und startete am nächsten Tag mit dem defrienden. Und in der Tat – es viel mir überhaupt nicht schwer. Ich klickte mich durch die Liste und selektierte:

Hatte bzw. habe ich mit dem Kontakt gemeinsame private Themen, Interessen, Beziehungen, Aktivitäten, etc.? Ja = Facebook

War bzw. ist dieser Kontakt ein rein geschäftlicher Kontakt? Ja = LinkedIN, Xing, Twitter

Ich werde keine Namen nennen, aber es gab wirklich jemanden, der mich zwei Stunden nachdem ich ihn defriended hatte anschrieb und mich fragte, warum ich ihn denn als „Freund“ gelöscht habe. Ich war ziemlich verwundert, da ich ihn wirklich nur rein geschäftlich kannte, ihn zwei oder dreimal zuvor getroffen hatte, keine gemeinsamen Beteiligungen oder andere Geschäftsbeziehungen mit ihm pflege und es ihm wohl dennoch aufgefallen ist. Innerhalb von zwei Stunden…. hmm? Ich habe ihm geantwortet und ihm direkt mitgeteilt, dass ich in Zukunft Facebook für meine privaten und wirklich sozialen Kontakte nutzen werden und dass wir ja auf LinkedIN und Xing weiterhin verbunden sind. Die Erklärung war für ihn völlig ok.

Magische Zahl 150

Für diejenigen, die das Buch The Tipping Point von Malcolm Gladwell gelesen haben, dürfte die Zahl 150 ein Begriff sein. Die Erkenntnisse über die Zahl 150 sind wirklich sehr spannend.  (ich spare mir das Übersetzen und zitiere aus ein paar Berichten)

„The figure of 150 seems to represent the maximum number of individuals with whom we can have a genuinely social relationship, the kind of relationship that goes with knowing who they are and how they relate to us. Putting it another way, it’s the number of people you would not feel embarrassed about joining uninvited for a drink if you happened to bump into them in a bar.” —Robin Dunbar,

1. Even relatively small increases in the size of a group [beyond 150] creates a significant additional social and intellectual burden.

2. The rule of 150 suggests that the size of a group is another one of those subtle contextual factors that can make a big difference.

3. Peer pressure is much more powerful than a concept of a boss

4. Transactive memory: we store information with other people. Since mental energy is limited, we concentrate on what we do best.

5. Groups of 150 are an organized mechanism that makes it far easier for new ideas and information moving around the organization to tip; to go from one person or one part of the group to the entire group all at once.

Mein Social Networking Konzept für die Zukunft

Nichts ist in Stein gemeißelt und ich weiß nicht, wie sich meine Social Networking Aktivitäten in der Zukunft entwickeln. Vieles hängt von den Features der Social Networks Sites ab. Ich peile dennoch 200 Kontakte als Obergrenze an. Ein paar Kontakte muss ich noch löschen. Klar kann es sein, dass es wieder mehr als 200 werden. Time will tell.

Meine Trennlinie:

Facebook ist für mich mein Netzwerk mit Freunden und Menschen, mit denen ich mich private austausche und austauschen möchte. Ich kenne jeden meiner Kontakte persönlich und habe mit allen auch schon mal privat etwas unternommen. Das ist derzeit meine Facebook -Trennlinie“ für Freundesanfragen.

Sollte ich in Zukunft eine Freundschaftsanfrage erhalten, die ich nicht annehmen möchte, werde ich auf diesen Artikel und natürlich auf meine Twitter-, LinkedIN- und Xing-Profile verweisen.

Thema: Fun, Life | Kommentare (3) | Autor: Olaf

Wie arbeitet eigentlich ein VC?

Samstag, 19. März 2011 18:04

Als ich noch selber Unternehmer und Gründer von Startups war, habe ich mich bei den Gesprächen mit VCs und bei den diversen VC-Runden oft gefragt, wie die internen Abläufe beim VC ausschauen. Heute kenne ich beide Seiten des Tisches und weiß aus eigener Erfahrung, wie ein VC arbeitet. Vielleicht hört sich er der Ablauf sehr strukturiert an und fast überorganisiert.

Ich kann aber jeden Gründer beruhigen: Trotz des strukturierten Vorgehens können wir sehr schnell entscheiden. Die Struktur ist einfach sehr wichtig, um nichts zu übersehen.

Wie also entscheiden Venture Capital Unternehmen, ob eine Geschäftsidee es wert ist, in sie zu investieren? Wie geht ein Venture Capital-Investoren vom Zeitpunkt, an dem ein Businessplan eintrifft, bis hin zum Abschluss der Finanzierungsrunde vor?

Geht es darum zu entscheiden, ob in ein Unternehmen mit einer bestimmten Geschäftsidee investiert wird, handeln Venture Capital-Investoren vom Eingang des Businessplans an bis zum Abschluss der Finanzierungsrunde anhand einer festen Struktur:

  • Sie nehmen nach Eintreffen des Businessplans, eine erste Beurteilung vor.
  • Anschließend folgt eine systematische und detaillierte Analyse, die Due Diligence.
  • Zum Schluss kommt es zur Strukturierung der Finanzierungsrunde.

Beginnen wir damit, die Vorgehensweise nach Eintreffen des Businessplans zu beschreiben und darzustellen nach welchen Schritten die Beurteilung erfolgt:

Erfassen des Inhalts

Im Monat erreichen einen Venture Capital-Investor in Deutschland  zwischen vierzig und hundert Businesspläne, die bevorzugt per E-Mail entgegengenommen werden. Die Businesspläne werden anschließend in einer Deal-Flow-Datenbank erfasst, um alle Deals in einem strukturierten Prozess zu analysieren und zu evaluieren.

Anschließende Kategorisierung

Nachdem Investmentmanager sich mit dem Inhalt des Businessplans vertraut gemacht haben, gilt es den Business Case, zu evaluieren. Dabei prüfen die Investoren, ob die Geschäftsidee im Investment-Fokus liegt. Also, ob der potentielle Kapitalnehmer in einer Industrie aktiv ist, die das Venture Capital-Unternehmen fokussiert. Wichtig ist auch, ob das Unternehmen im angestrebten Investment-Gebiet des Venture Capital Investors ansässig ist, Darüber hinaus ist zu klären, ob sich das Unternehmen gerade in einer der Finanzierungsphasen, in die das Venture Capital-Unternehmen investiert, befindet. Ist es demnach beispielsweise im Seed- oder Early-Stage anzusiedeln?

Konsequenz der Kategorisierung

Trifft einer dieser Punkte nicht zu, wird der Investmentmanager den Businessplan nicht weiter verfolgen. Anschließend gilt es, die Geschäftsidee zu kategorisieren und dabei eine erste Bewertung vorzunehmen. Der Aufbau der Kategorien variiert innerhalb der verschiedenen Venture Capital-Unternehmen. Target Partners verwendet beispielsweise die Stufen eins bis drei, wobei eins als sehr interessant und drei als nicht interessant gilt. Cases, die die Stufe eins oder zwei erreicht haben, werden evaluiert.

Evaluierung des Business Cases

Der Venture Capital-Investor nimmt in diesem Zusammenhang erste Untersuchungen auf, um diese anschließend zu bewerten. Dabei erfolgt die Prüfung des Business Cases gemäß unterschiedlicher Faktoren.

Markt, Produkt & Technologie, Kunden, Wettbewerb – der erste Teil der Evaluierung

Ein Faktor bei dieser Evaluierung, ist der Markt. In diesem Punkt stellt sich die Frage, wie hoch der Bedarf der Dienstleistung oder des Produktes des Unternehmens auf dem Markt ist. Auch müssen sich die Investoren fragen, wie groß der bereits bestehende Markt auf diesem Unternehmensfeld ist. Wie viele potentielle Nutzer sind eigentlich wahrscheinlich und wie hoch ist in diesem Zusammenhang der erzielbare Umsatz?

Ein weiterer Faktor ist das Produkt und die damit verbundene Technologie. Für die Investmentmanager muss klar sein, ob das Produkt funktionsfähig ist und ob es bereits eingesetzt werden kann. Ein anderer und sehr entscheidender Aspekt, sind die Kunden. Dabei ist zu klären, ob bereits ein Kundenstamm existiert. Trifft dies zu, gilt es zu klären aus welcher Zielgruppe sich dieser zusammensetzt.

Venture Capital-Investoren interessieren sich unter anderem besonders für den Wettbewerb. Hierbei stellt sich die Frage, ob es generell Mitbewerber gibt. Ist das der Fall, muss klar sein durch welche Wettbewerbsvorteile sich das Unternehmen von bereits bestehenden Unternehmen abgrenzen kann. Außerdem prüfen die Investmentmanager, wie nachhaltig dieser Vorteil überhaupt ist.

Zweiter Schritt: Firmenstruktur, Management, Finanzplanung sowie Exit

Ein weiterer Punkt, der bei den Investoren auf große Aufmerksamkeit stößt, ist die Firmenstruktur. Die Investmentmanager eruieren, wie sich die Struktur der Gesellschafter gestaltet. Selbst die geplante Managementstruktur wird evaluiert. Fragen, in wieweit etwaige Personen für die Unternehmensleitung vorgesehen sind und wie stark das momentane Team ist, werden geprüft. Die Investoren achten in diesem Zusammenhang auch darauf, dass deutlich erkennbar ist, welche Schlüsselpositionen besetzt werden müssen und ob es dafür bereits Kandidaten gibt. Darüber hinaus wird geprüft, welche Patente und Urherberrechte dem Unternehmen gehören.

Bei der Finanzplanung achten die Investmentmanager vor allem darauf, wie realistisch sich die Finanzplanung gestaltet und wie viel Kapital das Unternehmen tatsächlich benötigt.

Der finale Aspekt, der Exit, der im Rahmen dieser Evaluierung behandelt wird, klärt, ob ein Börsengang mit dem Unternehmen vorstellbar ist, an wen die Firma verkauft werden könnte und welche Exit-Bewertung zu erzielen möglich ist.

Eine detaillierte Analyse folgt in der Due Diligence

Eine Evaluierung stellt noch nicht die Due Diligence dar. An dieser Stelle haben die Venture Capital-Investoren noch keine detaillierte und systematische Analyse des Unternehmens beziehungsweise des Geschäftsplans durchgeführt, um einen Gesamteindruck der wirtschaftlichen Lage, der Zukunftsaussichten sowie des Chancen- und Risikoprofils des Unternehmens zu gewinnen.

Demnächst erläutere ich den Ablauf einer Due Diligence und den Abschluss eines sogenannten Term-Sheets, welches die Konditionen und Bedingungen einer Beteiligung dokumentiert.

Thema: Entrepeneurs, Investments, Know-how, Startups, Venture Capital | Kommentare (1) | Autor: Olaf