Beiträge vom Oktober, 2011

Blase oder keine Blase? (my five cents)

Freitag, 21. Oktober 2011 19:06

Ist 2011 so ähnlich wie 1999?

Befinden wir uns in einer Technologie-Blase?

Ist der Startup-Markt überhitzt?

Sind wir alle einem erneuten Hype verfallen?

Diese Fragen beschäftigen uns alle. Wer ist ‘uns’? Mit uns meine ich die Unternehmer, die Business-Angels, die VCs und alle anderen Involvierten, die im weitesten Sinne zum Startup-Mikrokosmos gehören, wie z.B. Journalisten, Blogger, M&A-Berater, etc.

Schwelgen wir alle wieder im rosaroten siebten Himmel einer Technologie-Blase? Feiert sich die Community wieder selber – so wie 1999/2000?

1999/2000 habe ich mit gefeiert. Es war wie ein Traum. Unser Aktienkurs erreichte schwindelerregende Höhen. Jeden Tag „all-time-high“ zum Frühstück. Wie jeder Traum war auch dieser irgendwann vorüber. Nach dem Erwachen ging es dann bergab, rasant und  ohne die Möglichkeit zu bremsen oder gegenzulenken. Eine gesamte Industrie hatte sich überhitzt, wie ein Motor, der nicht mehr gekühlt wird.

Steht uns das bald wieder bevor? Kommt das böse Erwachen aus unserem zuckersüßen Traum von coolen, wachstumsstarken Startups in einem Markt, der ausschließlich von Wachstum gekennzeichnet ist?

Wir (Targt Partners) sehen pro Jahr ca. 1.500 Business-Cases bzw. Businesspläne in unserem Investment-Fokus und treffen hunderte Entrepreneurs und Teams. Wir tauschen uns in der ausgedünnten VC-Szene aus, haben gute Kontakte zu Business-Angels und auch unsere Investoren haben einen sehr guten Überblick.

Wie kann ich die Situation aus meiner Perspektive beschreiben?

Ja, es ist warm im Markt. Nein, es ist nicht überhitzt. Ja, einige denken, alles ist investitionswürdig. Nein, die professionellen Teilnehmer haben den Realismus nicht verloren.

Im Vergleich zu 1999/2000 gibt es heute Unternehmer und Investoren, die noch von damals Narben und blaue Flecke haben und die Schmerzen nicht vergessen werden.

Aber auch anhand von Zahlen, Daten und Fakten kann man den Unterschied zu 1999/2000 erkennen. Damals sind die Bewertungen der Startups in die Höhe geschnellt. Für Technologie, die zum Teil nur auf Powerpoint lief, wurden teils aberwitzige Millionenbewertungen geboten. Bereits erste Finanzierungsrunden lagen oft im hohen einstellen Millionbereiche, manchmal sogar im zweistelligen Bereich.

Das ist heute anders. Die Statistiken zeigen, dass die Unternehmensbewertungen realistisch geblieben sind. Die Unternehmer und die Investoren gut miteinander umgehen und die meisten auf dem Teppich bleiben.

Warum sprechen dennoch so viele Leute von einem Hype oder eine Blase?

Meiner Meinung nach hat sich in Deutschland eine Gründermentalität und Community entwickelt, die von außen betrachtet, einen Eindruck hinterlassen kann, dass alle Leute in einem Hype leben und arbeiten. Im Vergleich zu damals ist die heute Gründer-Community organisch gewachsen, besser ausgebildet und untereinander vernetzt. Gründer und Investoren kommunizieren heute viel besser als 1999/2000. Man versteht sich. Es gibt eine immer größer und professioneller werdende Business-Angel Szene, die wichtig ist, um die Lücke zwischen Startup und VC zu schließen.

Die Business-Angels mit denen wir zusammen arbeiten sind keinem Hype verfallen und investieren nicht zu Mondpreisen in alles was nicht schnell genug auf die Bäume kommt.

Ja, es gibt ‘gehypte’ Unternehmen und manchmal muss man sich fragen, ob es richtig ist, dass einzelne Gazetten manche Startups und einzelne Exits enorm „featuren“. Ist ein Startup hipp und vermeintlich erfolgreich, nur weil ein US Schauspieler investiert hat? Ist ein Exit im einstelligen Millionbereich ein Erfolg, wenn das Startup zuvor mehrere Millionen an BA- und VC-Geld eingesammelt hat? Ich bezeichne das als Hintergrundrauschen, welches wohl nicht zu vermeiden ist.

Entscheidend ist, dass mehr den je junge Menschen den Mut, die Kreativität, die Lust, das Know-how, das Netzwerk und die Mittel haben bzw. bekommen, ein Unternehmen zu gründen.

Weiter so! Mehr davon!

Aber: Bleibt realistisch

Dennoch: Erfolge soll – nein muss man feiern.

Thema: Entrepeneurs, Investments, Know-how, Startups, Technology, Venture Capital | Kommentare (0) | Autor: Olaf

Stimmungslage der europäischen Venture Capital Investoren

Dienstag, 18. Oktober 2011 6:17

Am 17. und 18. Oktober fand in Budapest das Venture Capital Forum der EVCA statt. Hier trafen sich die europäischen VCs. Neben ein paar Vorträgen war Networking angesagt.

In den einzelnen Gesprächen konnte man die Stimmungslage sehr gut wahrnehmen. Die meisten sind mit dem Dealflow und mit der Entwicklung der Portfolio-Unternehmen zufrieden. Die größte Herausforderung ist das eigene Fundraising. Einige VCs befinden sich derzeit im Fundraising, andere haben ihr Fundraising verschoben. Die Lage ist nicht gerade rosig. Zum Glück gibt es ein paar deutsche VCs, die noch ausreichend “fresh money” in den aktuellen Funds haben. Wir (Target Partners) gehören dazu.

Hier eine Zusammenfassung der Statements, Erkenntnisse, Key Findings:

Eine Umfrage hat ergeben, dass weniger als 1% aller Investoren an einem Investment in europäische VC Funds interessiert sind.

Einige grosse Exits in Europa sind jedoch gute Zeichen für die Unternehmer, die VCs und insbesondere die Investoren in VC Funds (LPs).

2011 war bislang ein sehr gutes Jahr was Exits in den USA und in Europa angeht.

Der Dealflow ist so hoch wie nie zuvor.

Es kommen immer weniger Copy-Cats als Business-Case in den Dealflow.

Viele neuen BA Funds wurden aufgesetzt.

Zusammenfassend kann man für europäisches VC folgende Highlights notieren:

  • Es gibt Milliarden-Exits
  • Immer mehr Unternehmer sind Serial Entrepreneurs
  • Es gibt mehr Seed-Money
  • Weniger Copy-Cats und mehr Innovation

 

In Europa kommt 57% des investierten Venture Capital vom Staat. Das hat mich völlig erschreckt. Wir (Target Partners) haben keinen einzigen Cent ‘public money’ in unserem Fund.

Eine ehemalige Offizielle der EVCA stellt Ideen in den Raum, um europäisches VC anzukurbeln… Hilfe, bitte nicht. Ich bleibe dabei – Performance zählt.

Interessante Sudie von Prof. Sophie Manigart:
VC finanzierte Unternehmen wachsen schneller als nicht VC finanzierte und sie waren während der Finanzkrise solider und stablier.
Die 3 Gründer dafür sind zum einen die Selektion durch die VCs, bessere EK-Finanzierung und das Engagement der VCs.

Die Studie bestätigt auch, das VCs mit Unternehmer- und/oder Industrieerfahrung besser von Startups bewertet werden als VCs ohne eigene operative Erfahrung.

Interessant ist auch, dass Unternehmen eine weitaus besser Performance zeigen, wenn sie von unabhängigen VCs finanziert wurden, im Vergleich zu Unternehmen, die von staatlichen VCs finanziert wurden.

Insgesamt heulte sich hier die Branche aus. Meiner Meinung nach wird es für gute Unternehmer Geld geben und es werden auch guten VC Investoren Geld zum investieren bekommen.

Thema: Investments, Venture Capital | Kommentare (0) | Autor: Olaf